Vom 12.–15. August 2010 fanden auf dem Winden­schleppgelände Häger bei Werther die VARUS Flatlands 2010 statt. Im Rahmen dieses offenen FAI 2 Wettbewerbes wurde die diesjährige Lan­desmeisterschaft NRW ausge­tragen.

Vom Niederrhein hatten sich vier Piloten für den Wettbewerb ange­meldet: Theo Schürholz, Holger Steffentorweihen, Johannes Völlm und Martin Speis.

Theo, Holger und Jo waren schon am Mittwoch angereist. Ich konnte berufsbedingt erst einen Tag später nach kommen.

Tag 1

SMS Mitteilung der Wettkampfleitung :: © Martin SpeisAm ersten Wettkampftag ent­schied sich die Wettkampflei­tung auf Grund der unsicheren Wetter­verhältnisse erst relativ spät für eine Aufgabe: immer­hin 51 km über zwei Wende­punkte nach Blomberg.

Das Startfenster wurde um 13:00 Uhr geöffnet und einige Piloten schafften es – trotz vollstän­diger Abschattung über dem Schleppgelände – aufzu­drehen und sich auf den Weg zur ersten Wende zu machen. Theo Schürholz kam mit den Bedingungen am besten zurecht und holte sich mit 25,3 km den Tagessieg. Platz zwei belegte Hans-Hermann Pieper, gefolgt von Thomas Deelmann.

Ergebnisse Task 1

Tag 2

Ein weiterer Pulk dreht über dem Schleppgelände Häger auf :: – Martin SpeisHeute schien endlich die Sonne und beim Briefing um 9:30 Uhr waren alle sehr opti­mistisch und freuten sich auf einen schönen Flugtag. Die Pilotensprecher hatten sich für eine 52 km lange Aufgabe Richtung NO ent­schieden: über zwei Wendepunkte ging es vom Schleppgelände Häger bis nach Oven­städt. Die thermischen Bedingungen sollten gut wer­den, allerdings mit einer relativ niedrigen Basis.

Mit Fensteröffnung um 11:15 Uhr gingen die ersten Piloten auf den drei parallelen Schlepp­strecken in die Luft. Viele Piloten benötigten heute mehrere Versuche, um bis zur Basis aufzudrehen und wegzufliegen. Dank der guten Organisation und der professionel­len Arbeit der Schleppteams, waren innerhalb von 2½ Stunden alle 30 Piloten auf Strecke.

Fünf Piloten schafften es ins Ziel: Claus Fischer holte sich den Tagessieg, gefolgt von Werner Stempel und Lars Budack.

Ergebnisse Task 2

Johannes Völlm macht sich startbereit :: © Martin Speis
Johannes Völlm schaffte es mit 30,3 km auf Platz 9:

Nachdem der erste Task für mich sehr frus­trierend war, da ich Theo und einem Pulk von gut 13 Flieger wehlei­dig dabei zuschau­en musste, wie sie von dannen zogen, währ­end ich einfach nicht nach oben kam, zwei­felte ich schon an mir selbst. Der zweite Task war dann aber schon wieder ganz nach meinem Geschmack.

Mein erster Schlepp brachte mich direkt unter die Basis und bei „Bastel-Beding­ungen“ schaffte ich es mit viel fighten auf den neunten Platz an diesem Tag. Insgesamt hatte ich mich so in eine ganz gute Ausgangslage für den dritten Task gebracht.

Tag 3

Häger Weststartplatz :: © Martin Speis
Nach Auflösung einiger Frühnebel­felder begrüßte uns der Tag wieder mit Sonne pur. Der Wind kam heute aus NO, sodass sich die Piloten­sprecher für eine 56 km Ausgabe über zwei Wendepunkte nach Ahlen entschieden. Es wurde mit guter Wolken­thermik gerechnet.

Das Startfenster öffnete um 11:00 Uhr und ich hatte heute die Ehre als Erster zu starten … nur um mich wenig später als erster Wiederstarter auf die Liste setzen lassen zu müssen. Grrr. So wie mir ging es aber den meisten Piloten. Außer Theo – der definitiv nicht nochmal starten wollte 😉 – standen alle nach kurzer Zeit wieder am Boden.

Ab 12:00 Uhr wurde die Thermik zuverlässiger und ein erster Pulk machte sich auf dem Weg zum Teutoburger Wald.

Mit Markus über Halle :: © Martin Speis
Um 12:20 Uhr startete ich ein zwei­tes Mal. Nach dem Ausklinken flog ich nach links, wo Hans-Her­mann Pieper einen guten Bart ausgegraben hatte. Gemeinsam mit Markus Kaup drehte ich auf gut 1.000 m auf und wir flogen dann gemeinsam Rich­tung Werther. Westlich des Ortes ging es mit guten Steigwerten bis unter die Basis auf 1.100 m. Das reichte, um über den „Teuto“ ins Flache zu fliegen. Hinter Halle haben wir zu dritt unter einer gut ziehenden Wolke noch einmal Höhe machen können und sind dann weiter Richtung SW geflogen. Gut 10 km vor mir sah ich den führenden Pulk, wie er immer mehr auseinander fiel. Irgendwann traf ich Theo und Matthias Hagemann, mit denen ich mich auf die Suche nach den nächsten Thermikquellen machte. Bis zum ersten Wendepunkt konnten wir ein paar Mal richtig gut aufdrehen. Danach ging aber nichts mehr, und so stand ich nach 32,2 km – ein paar Kilometer vor dem zweiten Wendepunkt – mit den anderen am Boden. Eine nette Bäuerin hat uns dann nach Beelen zum Bahnhof gefahren, von wo aus wir kurze Zeit später den Zug nach Bielefeld nehmen konnten.

Vier Piloten erreichten das Ziel: Oliver Blonske holte sich den Tagessieg vor Dirk Holle und Axel Finke.

Ergebnisse Task 3

Johannes Völlm beim Windenschlepp :: © Martin Speis
Johannes Völlm verpasste an diesem Tag mit 49,4 km nur knapp das Ziel und belegte einen hervorragenden 5 Platz:

Wieder einmal stand ich noch nach dem dritten Schlepp am Boden und mit mir wei­tere 7 Piloten. Der Rest war schon lange nicht mehr in Sichtweite…

Dann endlich mit dem vier­ten Schlepp konnte ich mit Lars Budack zusammen in einer ganz schwachen und zerrissenen Blase langsam Höhe machen. Während wir uns nach oben kämpften konnte ich Holger Steffentorweihen zuschauen, wie er mit seiner Rennmaschine in einer sehr guten Blase klinkte und 5 Minuten später mit gut 900 m Höhe Richtung Teutoburger Wald davon stach. Zusammen mit Lars, Thomas Jirgal, Fredegar Tommek, Peter Klar und Stephan Meyer hab ich dann knapp bis unter die Basis aufgedreht, um dann mit viel Höhe in einer breiten Formation über den Teuto hinweg zu gleiten. 5 km dahinter konnte ich gerade noch sehen wie Holger sanft auf einer Wiese gelandet ist. Kurz hinter Halle konnte ich dann hinter mir sehen, wie Stephan und Lars in einem guten Steigen erneut in Richtung Basis aufdrehten. Auch Thomas hatte es gesehen und ist wie ich sofort zurück und gemeinsam haben wir uns dann wieder in dem Lift nach oben geschraubt.

Von da aus ging es in einer langen Gleitstrecke Richtung Harsewinkel. Da Thomas und Lars schon vorgeflogen waren, hatte ich eigentlich vor, mich an Ihnen zu orientieren, aber Lars war wie vom Erdboden verschluckt und Stephan war mit seinem Icepeak XP einfach immer deutlich höher als wir anderen.

Kurz vor Harsewinkel sah ich Stephan dann drehen, aber als wir ankamen war da einfach nichts mehr. Links von mir sah ich Fredegar zur Landung ansetzen und rechts vor mir ging Peter Klar in den Endanflug … Thomas und ich hielten uns nicht lange über dem Ort Harsewinkel auf, sondern steuerten zielstrebig auf die CLAAS-Werke am Stadtrand zu. Mit den riesigen Blechhallen und den großen geteerten Flächen musste es da einfach nach oben gehen! Also Augen zu, Fuß ins Gas und ab über die Werke. In einer Höhe, in der man eigentlich landen geht, sah ich plötzlich wie es Thomas vor mir nach oben beamte und 2 Sekunden später hing ich auch in diesem absolut göttlichen Steigen. Kurze Zeit später habe ich Thomas ausgekurbelt und sah ihn mit rund 500 m zum Wendepunkt zurückfliegen, denn den hatten wir verpasst! Ich hab mich geduldig auf 1000 m geschraubt und bin dann mit sicherer Höhe zum Wendepunkt zurückgeflogen. Von da aus ging’s weiter Richtung Beelen. Unter mir ging gerade Thomas zum Landen, während mich der stärkste und ruhigste Lift zugleich sanft auf 1400 m absetzte. Vor Ennigerloh ging’s dann noch einmal auf 1530 m und unter mir tauchte plötzlich Lars Budack aus dem Nichts wieder auf. Leider konnte er sich nicht mehr nach oben arbeiten und musste so kurz vor dem Ziel runter. Bei mir stieg so langsam die Euphorie und ich wähnte mich schon fast im Ziel, doch leider hielt die Vorfreude nicht lange. Irgendwie gelang es mir nicht, den letzten Bart vor Sendenhorst zu zentrieren. So bin ich mit 800 m Höhe auf die letzten Kilometer gegangen und dann einen guten Kilometer vor dem Zielzylinder gegroundet … Etwas sauer auf mich selbst, aber mit einem breiten Grinsen im Gesicht, habe ich meinen Schirm zusammengepackt. 10 Minuten später war ich schon auf dem Weg zu Bekannten, wo ich mit Bier und Grillfleisch versorgt wurde, bevor mich dann ein freundlicher Abholer wieder zurück nach Häger befördert hat. Es waren wirklich super Tage in Häger und ich habe wieder jede Menge dazugelernt. Bis zum nächsten Jahr!!

Ergebnisse

Die Gewinner der VARUS Flatlands 2010: Frank Hofmann, Dirk Holle, Claus Vischer, Oliver Blonske, Lars Budak und Werner Stempel (v.l.n.r.) :: © Martin Speis
Da der vierte Tag wegen der schlechten Wetter­aussichten abgesagt wurde, stehen die Ergebnisse nach drei gültigen Wertungsduchgängen fest:

VARUS Flatlands 2010

  1. Lars Budack (UP Trango XC)
  2. Oliver Blonske (Ozone Mantra R10.3)
  3. Dirk Holle (GIN Boomerang 5.08)

Gesamtwertung VARUS Flatlands 2010

NRW-Landesmeisterschaft 2010

  1. Lars Budack (UP Trango XC)
  2. Oliver Blonske (Ozone Mantra R10.3)
  3. Dirk Holle (GIN Boomerang 5.08)

Gesamtwertung NRW-Landesmeisterschaft 2010

Sportklasse

  1. Claus Vischer (Ozone Delta)
  2. Werner Stempel (Advance Sigma 7)
  3. Frank Hofmann (UP Summit XC)

Ergebnisse Sportklasse

Hermann Hülshorst weist die Startleiter ein :: © Martin Speis
Zum Schluss möchte ich mich noch einmal bei Hermann Hüls­horst und Dirk Holle, sowie den Windenschlepp­teams und den vielen Helfern vom PSC Verl e.V. für die tolle Organisation bedanken.

Ich hoffe es gibt im nächsten Jahr eine Fortsetzung der VARUS Flatlands.

Weitere Bilder gibt es auf Flickr in der Galerie “VARUS Flatlands 2010